Nach anderthalb Stunden Fahrt in der Gedenkstätte Sachsenhausen angekommen, wurden wir zunächst durch einen Mitarbeiter im Informationsgebäude, der ehemaligen Waffenmeisterei, empfangen. Dort informierte er uns über den Aufbau des ehemaligen Lagers, die Veränderungen seit Ende des Zweiten Weltkriegs und die noch heute stehenden Gebäude. Es sind nicht mehr viele, dennoch gewinnt man durch die Gestaltung des Geländes einen Eindruck vom Aufbau des Lagers.
Ergänzt wurden diese Ausführungen durch Infos zum Verlauf des Zweiten Weltkriegs insoweit sie relevant für das damalige Konzentrationslager Sachsenhausen waren.

 

Wir erfuhren, wie die Menschen in das Konzentrationslager gebracht wurden und was mit ihnen dort geschah. Spuren von zahlreichen Untaten der Nationalsozialisten sind in dieser Gedenkstätte nachweisbar und zu besichtigen, wie z.B. die der angewandten Foltermethoden und des dazugehörigen Werkzeugs sowie der menschunwürdigen Behandlung und Unterbringung viel zu vieler Gefangener auf kleinstem Raum, welche jedoch im Vergleich noch zu den harmloseren Umständen gehört. Auch die Öfen, in denen die Leichen der Häftlinge verbrannt wurden, stehen teilweise noch.
Auch steht heute noch die Anzahl der Häftlinge, die in den Baracken schliefen, über den Türen.

 

Gut informiert, gespannt, aber auch mit einem mulmigen Gefühl, machten wir uns auf den Weg, die Gedenkstätte zu besichtigen. Zunächst liefen wir außen an der Mauer des früheren Konzentrationslagers entlang bis zum Eingang des Lagergeländes und sichteten von weitem, relativ nah am Eingang, das ehemalige Bürogebäude des Kommandanten, welches derzeit saniert wird. Wir setzten die Führung über das Lagergelände fort und betraten die ehemaligen Büros der SS-Leute, in denen Informationstafeln mit Bildern über ausgewählte SS-Männer zu sehen waren.
Einige von ihnen gingen besonders brutal gegen die Häftlinge vor. Ebenfalls in diesem Raum waren originale Gegenstände zu sehen, die sie zur Folter der Gefangenen benutzt hatten. In einem der Räume befand sich das Büro des stellvertretenden Kommandanten, von dessen Fenster man das Lagergelände überblicken konnte.
Im Konzentrationslager Sachsenhausen befand sich die Leitung aller Konzentrationslager in Europa, ausgenommen die der Vernichtungslager.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einer der zwei restaurierten Baracken, um diese und die dort befindliche Ausstellung zu den jüdischen Häftlingen in Sachsenhausen zu besichtigen. Auf diese Baracke wurde 1992 durch Neonazis ein Brandanschlag verübt. Bei der Wiederherstellung beließ man einen Teil der Außenfassade im rußigen Zustand, um an den Anschlag zu erinnern.

 

Nach dem Durchgang durch die Baracke begannen wir mit unserem Workshop.
Dieser hatte die medizinischen Experimente an Menschen im KZ Sachsenhausen zum Inhalt. Es wurden Gruppen gebildet, die sich mit Themenbereichen wie z.B. Krankenmorde, Kastration, Experimente mit Giftgasgeschossen, Experimente mit Erregern der epidemischen Gelbsucht und Experimente mit leistungssteigernden Medikamenten beschäftigten. Danach begaben sich die Teilnehmer in unterschiedliche Räume und Orte, an denen sie die entsprechenden Informationen zu den Themen finden konnten. Die Ergebnisse wurden zum Schluss in der Gesamtgruppe vorgestellt.

 

Den Tag beschlossen wir am zentralen Gedenkort der Gedenkstätte Sachsenhausen, in der sogenannten „Station Z“. So wurden die Vernichtungsanlagen in Sachsenhausen, die eine Gaskammer, Erschießungsapparate und Verbrennungsöfen enthielten, durch die SS-Leute zynisch genannt, da sie die letzte Etappe bei der Auslöschung der Häftlinge waren. Dort sahen wir noch zahlreiche, fast verblühte Kränze und Blumensträuße, die am 27. Januar zum Gedenken an die Befreiung Ausschwitz’ niedergelegt worden waren.

 

Der Besuch in der Gedenkstätte Sachsenhausen war für unsere Klasse eine sehr besondere Erfahrung, unseres Erachtens eine, die jeder Schüler und jede Schülerin machen sollte.

 

 

 

Ibrahim und Mohammed